Malerei
Das großformatige Gemälde wiederholt ein Motiv, das Harald-Alexander Klimek schon Jahre zuvor im Genre der Druckgraphik bearbeitet hat. Die Seriegraphie von 2000, nahezu quadratisch gehalten, nimmt die gestalterischen Elemente des Ölgemäldes vorweg: die zentrale Frauengestalt in Rückenansicht, streng in S chwarz-Weiß gehalten, der Hintergrund nur unterteilt durch zwei verschiedene Medaillons. Die Frauenfigur wendet sich dem Betrachter ab, die lässig in der Linken gehaltene Jacke verweist auf das Verlassen, das Abwenden von der Szenerie. Das transparente Kleidchen scheint nur rasch übergeworfen, das Haar einfach hochgesteckt, der Schritt gefaßt; kein übereilter, aber ein bestimmter Abschied. Der Weg weist keine Perspektive auf, keinen Ausblick. Eine solch direkte Abkehr vom Betrachter ist aus den Gemälden eines Caspar David Friedrich geläufig. Dieser gewährt dem Betrachter allerdings einen Ausblick in die Landschaft, in ein idealisiertes Zukunftsbild oder in eine tradierte Realität, ein Ausblick quasi an der Person vorbei. Klimek entwickelt vor der Frauenfigur lediglich eine Art Vorhang, den es zu durchschreiten gilt. Ein Paravent aus Medaillons die zur einen Hälfte die Darstellung des bocca della verità, zur anderen die eines Kosmonauten ziert, der das Herz als Symbol der Liebe hochhält. Diese Figurine ist auch im Kleid der Davonschreitenden eingewebt. Das außerirdisch wirkende Männlein stammt motivlich aus einem frühen Gemälde von Harald-Alexander Klimek: Das Einhorn (s. Abb. Galerie-Malerei). Dort steht es als zukunftsweisende Aussicht auf ein Leben nach der Zerstörung der Zivilisation. Wird die Liebe das Einzige sein, was die Menschheit überdauert? Bei der bocca della verità (Mund der Wahrheit) handelt es sich um eine römische Reliefscheibe in Form eines Gesichtes mit weit geöffnetem Mund, die sich heute in der Kirche Santa Maria in Cosmedin befindet. Noch heute legen Touristen ihre Hand in den Mund, die bocca. Die Hand soll, so die Sage, abgebissen werden, sofern man die Unwahrheit sagt. Liebe und Ehrlichkeit, Eckpfeiler der Beziehung zwischen Mann und Frau, bilden also den Weg, den die junge Frau beschreitet. Ob sie diese Prinzipien vermißt hat und deshalb eine neue Zukunft sucht? Es steht zu erwarten. Die Zukunft ist auf jeden Fall ungewiß, auch für den der da traurig flüstert: „Adieu, monamour!“     Text: Dr. Walter Stephan Laux
Adieu Monamour
" Adieu monamour " 2010 - 120 x 80,5 cm Print und Öl auf Leinwand
Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht von Harald-Alexander Klimek. All pictures © by Harald-Alexander Klimek. Site © 2012 by Mario Geldon - All rights reserved
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